Das alte Dorf

Als der Chronist Johannes Stumpf im Jahre 1548 seine "Beschreybung Gemeiner, löblicher Eydgnossenschafft Stetten Landen und Volckeren" zu Papier brachte, erwähnte er von seiner Reise entlang der Kempt lediglich die Burg Altorff sowie den Weiler Mesikon. Kein Wort von dem sich hinter Hunderten von Obstbäumen versteckenden Bauerndorf, welches sich innerhalb eines hölzernen Zaunes längs der beiden Strassenzüge hinzog und nur gerade vom Kirchturm überragt wurde. Erst 200 Jahre später fand Hans Heinrich Bluntschli, dass unsere Gemeinde Altorff auch zu seinen "Merckwürdigkeiten" der Stadt und Landschaft Zürich gehöre:

"Sonsten zum Unterschied eines andern Mönch Altorf, gemeinlich Fehr-Altorff genannt, ein Dorf und Pfarrey, an einem gar lustigen Ort, nicht weit von dem Ursprung des fischreichen Wässerleins Kempt gelegen. Allda stund ehmals ein Schloss, oder in alten Briefen genannte Veste, mit einem trocknen und 2 Wassergräben umgeben, die noch offen, das Schloss aber zerstört, und an dessen statt ein Haus erbauen ist. Hatte auch eigenen Adel."

Noch sind diese Edlen von Altorf und ihr Stammsitz im Dunkel der Geschichte, lediglich ihr Wappen, ein Röslein, meint man zu kennen. Im 19. Jahrhundert unternahm es Gerold Meyer von Knonau, die Dörfer und Städtchen des Kantons Zürich zu besuchen. Dabei entstand folgende Miniaturbeschreibung von Fehraltorf:

"Pfarrdorf, ehemals auch Rüggisaltorf geheissen, im Bezirk Pfeffikon, auf einer weiten, fruchtbaren Ebene am Fusse des zwischen der Kempt und Töss sich erhebenden Bergrückens. Der Boden ist im Ganzen genommen ergiebig, mehr leicht als schwer, das Ackerland grösstenteils steinig. Sumpfichte Wiesen gibt es wenige. 1836 zählte man 971 Einwohner. Ackerbau und Viehzucht sind die Hauptquellen des Erwerbs; der Weinbau ist unbedeutend; auch beschäftigt man sich mit der Fabrikation in Wolle und Baumwolle. Es hat 112 Häuser. Die älteren sind meistens ganz aus Holz gebaut, andere Fachwerk, mehrere neuere gemauert. Man findet noch Schindeldächer; die grosse Mehrzahl jedoch ist mit Ziegeln bedeckt. Durch die Erbauung der Kemptthalstrasse hat Fehraltorf sehr gewonnen, und nicht viel weniger durch die Anlage der Strasse von Zürich her. Die Luppenau, die in der Regel unbedeutend ist, bisweilen aber zum kleinen Flüsschen anwächst, und neben ihr der Stalden- und der Lechbach können bei anhaltendem Regen und plötzlichem Thauwetter Wiesen und Feldern schädlich werden."

alte Postkarte

Anfangs unseres Jahrhunderts werden auf dem ganzen Gemeindegebiet 186 Häuser und 938 Einwohner gezählt. Hauptbeschäftigung ist immer noch die Landwirtschaft, doch gibt es je eine Seidenzwirnerei, Zündholz- und Maschinenfabrik, Tonwarenfabrik und Ziegelei. Erste Ansichtskarten aus dem Verlag "zur Salzwaag" von Heinrich Manz zeigen in sorgfältig kolorierten Aufnahmen Strassenzüge oder Einzelgebäude aus dem Dorfkern. Langsam bekommt Altorf nun ein Gesicht.

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