Altdorf oder Altorf - der Ortsname

Im Mittelalter hatten die Bauern unserer Gemeinde ihren Zins und Zehnten dem Kloster Rüti im Zürcher Oberland abzuliefern. Dies blieb auch nach der Reformation und der Aufhebung des Klosters im Jahre 1525 so. Die Pflicht bestand nicht nur für die Leute von Rüeggisaltorf (auch dieser Name erschien früher in den Urkunden über unser Dorf), sondern ebenso für Mönchaltorf am Greifensee. Beide Ortschaften nannte man jedoch nur Altorf. Später schafften die Amtsleute in Rüti Klarheit, indem sie das weiter weg gelegene Altorf mit Fehraltorf (fehr = fern) bezeichneten, die Einheimischen aber blieben bei der überlieferten Form. 1798, zur Zeit der Helvetik, wurde die alte Bezeichnung aber endgültig durch die heutige Schreibweise ersetzt. Die Betonung auf der Silbe a bei Fehraltorf beruht auf der alten Schreibweise Altorf, die noch bis ins 20. Jahrhundert gebraucht wurde.

Die Altorfer – unsere streitbaren Altvordern


Mit erfrischender Offenheit schilderte 1925 ein G. Peterhans in seinen "Wanderstudien" die ehemaligen Rüeggisaltorfer:
"Die heute so bedächtigen, sesshaften Altorfer waren früher recht temperamentvolle, fortschrittliche Leute, keine kaltblütigen "Frösche", wie man sie heute scherzhaft nennt. Sie beteiligten sich eifrig an den Volksaufständen von 1525 und 1645.
Bei der Revolution von 1798 waren sie sehr tätig; als aber 1802 die Ernüchterung einsetzte, verweigerten sie die Entrichtung des wiedereingeführten Zehnten, tanzten um den Freiheitsbaum und benahmen sich sehr widerspenstig. Als aber die helvetischen Truppen mit Kanonen heranrückten, zogen sich die Altorfer mutig auf ihre Ofenbänke zurück."

Ein Steuerstreik 1644

Zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges in Deutschland (1618 bis 1648) bescherten die gnädigen Herren von Zürich ihren Untertanen vermehrte Steuerlasten. Die Vermögensangabe sollte "unter Eid" gemacht werden, was manchen Bürger schwer beunruhigte. Im Dezember 1644 gab eine Gruppe von Altorfern den Anstoss zur Opposition. Man traf sich nach einem Freischiessen im "Hecht", der Alkohol tat das Seine dazu, und die Gesellschaft erklärte kurz und bündig, "nit mehr zu stüren!" Das erregte grosses Aufsehen in der Umgebung, und am 9. Februar 1645 trat eine Abordnung einflussreicher Männer vor den Landvogt auf der Kyburg, um die Klagen vorzubringen. Doch die gnädigen Herren von Zürich brachten sie dazu, dass sie schliesslich fussfällig um Gnade baten, und die Gemeinden wurden erfolgreich zur Ruhe gemahnt. Die Rädelsführer erhielten saftige Strafen, die Steuern aber blieben.

Ein Steuerstreik 1644

Die Frauenrevolte von 1740


Von recht selbstsicheren Frauen aus dem 18. Jahrhundert weiss das Protokoll der Kirchgemeinde zu berichten. Nachdem nämlich die Wahl einer neuen Hebamme – bei der sich drei Kandidatinnen gegenüberstanden – mittels "Geräun" (der Name wurde dem Stimmenzähler ins Ohr geraunt) eindeutig entschieden worden war, munkelte man im Dorf von Wahlfälschung durch den Pfarrer, der als Stimmenzähler geamtet hatte. Nach kurzer Zeit starb aber die neue Wehmutter, und man setzte eine weitere Wahl an. Nach der Predigt musste der Pfarrer feststellen, wie die wenigen Frauen aus Protest die Kirche verliessen. Der Stillstand (Kirchenpflege) bestimmte einen weiteren Wahlsonntag.
Auch diesmal verliessen die Weiber demonstrativ die Kirche. Damit hatten sie sich das Stimmrecht natürlich verscherzt, und die Wahl oblag nun den Männern. Des Pfarrers Schlussbemerkung zu diesem Aufstand hiess kurz und bündig: "Weiber können auch den Setzgrind aufsetzen."
Trotzdem gelang es 23 Jahre später, den geistlichen Vater davon zu überzeugen, dass die Wahl einer geeigneten Hebamme weiterhin Sache des weiblichen Geschlechts sei.
Übrigens: Fehraltorf war eine der ersten Zürcher Gemeinden, welche 1969 das Stimmrecht auf kommunaler Ebene einführten!

Die Zehntenrevolution von 1802


Wegen der Besetzung unseres Landes durch die französischen Truppen wurden die Gedanken der Französischen Revolution, "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", aktueller denn je. Als die Zürcher Regierung die Wiedereinführung des abgeschafften Zehntenbezugs anordnete, revoltierten die Fehraltorfer unter der Führung von "Hecht"-Wirt Johann Kaspar Gujer. Die Verhandlungen mit den Herren der Regierung fanden im "Hecht" statt und wurden auf dem Dorfplatz von einer erregten Menge mitverfolgt.
Französische Truppen, die den Befehl erhalten hatten, scharf zu laden, trieben die Aufständischen auseinander. Jedes Haus wurde nach Waffen und aufrührerischen Schriften abgesucht. Die Gemeinde hatte die Kriegskosten zu übernehmen, der "Hecht"-Wirt bekam eine spezielle Busse, und die Regierung verweigerte ihm zudem lange Zeit die Bezahlung der Verköstigung des Militärs.
Wo lag da wohl die Ursache zum freundnachbarlichen Spottvers aus unserem Jahrhundert, der da lautete: "D Altorfer Chrutballe lönd si alles gfalle, süde, schnätzle und alles zäme!"

Die Zehntenrevolution von 1802


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